Gar nicht. Gemessen wird nur der CO2-Anteil in der Atmosphäre — auf Hawai: Die sogenannte Keeling-Kurve erreichte im Sommer 2019 einen CO2-Anteil von 0,0412% oder 412 ppm (parts per million) — gegenüber 280 ppm vor der Industrialisierung. Mehr CO2, mehr Erderwärmung – ja, auch in dieser Größenordnung.
Was jeder Staat,
jedes Bundesland dazu beiträgt, wird gerechnet, nicht gemessen. Basis dafür sind
die Energiebilanzen, d.h. die Mengen bzw. die Energieausbeute von Kohle, Erdgas
und Erdöl, die zur Energiegewinnung verbrannt werden. Die Daten stammen von Kraftwerken,
Raffinerien, Händlern, die ihre Umsätze an die Statistik melden.
Emissionsfaktoren
Jeder kohlenstoffhaltige
Brennstoff hat seinen eigenen Emissionsfaktor: Bei der Verbrennung von 1 kg
Steinkohle entstehen 2,6 kg CO2 (mit Sauerstoff aus der Luft), aus 1
Liter Benzin 2,4 kg CO2, aus 1 m3 Erdgas 2 kg CO2. Oder anders ausgedrückt: 1 kWh Energie aus Steinkohle
verursacht 337 g CO2, aus Braunkohle 381 g und aus Diesel 266 g.
Für Strom aus
dem großen Netz gibt es einen bundeseinheitlichen „Generalfaktor“. Er spiegelt
den nationalen Energieträgermix bei der Verstromung und den Wirkungsgrad der
Kraftwerke. Zurzeit liegt er bei ca. 500 g CO2 pro kWh. Er sinkt
dank Wind- und Solarstrom. Länder wie Hamburg mit wenig grüner Stromproduktion profitieren
davon.
Auch für
große Fernwärmenetze mit vielen Quellen gibt es einheitliche Emissionsfaktoren.
Quellen- und Verursacherbilanz
Zurück zu den
CO2-Emissionen eines Landes: Es gibt zwei Arten von CO2-Bilanzen:
die Quellenbilanz und die Verursacherbilanz.
Die Quellenbilanz dokumentiert die CO2-Emissionen der Primärenergieträger für die Energie-Umwandlung – die Input-Seite. Sie umfasst alle in einem Land verbrannten Kohle‑, Erdöl- und Erdgasmengen — egal, ob und wie die Endenergien dann im Inland genutzt oder aber exportiert werden.
Die
Verursacherbilanz dokumentiert dagegen, wie viel CO2 die
Verbrauchssektoren Industrie, Verkehr, Haushalte und Gewerbe im Lande selbst
emittieren — die Output-Seite. Sie umfasst die CO2-Emissionen durch
die Nutzung der Endenergien Kraftstoffe, Heizöl, Fernwärme, Strom — auch von
importiertem Strom.

CO2-Verursacherbilanz; Bürgerschafts-Drs.21/19200 3.12.2019
In der Klimadiskussion dominiert die Verursacherbilanz, weil sie die Veranlasser, die Verantwortlichen für die Emissionen benennt. Die Verursacherbilanz weist aber generell weniger CO2-Emissionen aus als die Quellenbilanz — wegen des Eigenverbrauchs der Kraftwerke. Beide Bilanzarten „unterschlagen“ ferner CO2-Emissionen aus Landnutzung und Viehzucht, aber auch aus chemischen Prozessen wie der Zementherstellung.
Die CO2-Emissionen
bei grenzüberschreitendem Verkehr werden nicht aufgeteilt, der Flug-Fernverkehr
meist ausgeklammert.
Auch die CO2-Emissionen
der „Vorketten“ – also der Kohle‑, Öl- und Gasförderung sowie des Transports
der Primärenergien – werden nicht den Verursachern im Inland zugerechnet,
sondern nur den Erzeugerländern.
Meine Meinung
Die detaillierten CO2-Bilanzen täuschen Präzision nur vor. Sie sind unvollständig. Bestimmte CO2-Emissionen werden ebenso vernachlässigt wie andere Treibhausgase – z.B. Methan, Fluorgase. Klimapolitik sollte mit einer Sicherheits-Marge rechnen, nicht mit einer Minimal-Bilanz. Die Messungen in Hawai lassen sich nicht schönrechnen.
Foto: Steve Buissinne auf Pixabay.com
Über den Autor: Dr. Hans-Joachim Menzel
Dr. iur. Hans-Joachim Menzel ist Jurist, Autor, Mitgründer und langjähriger Sprecher beim „Zukunftsrat Hamburg”. Er war Bundesvorsitzender von „terre des hommes — Hilfe für Kinder in Not weltweit” und ist ehrenamtlich in sozialen, ökologischen und Nachhaltigkeits-Initiativen engagiert.
