• Über uns
    • Auf­ga­ben & Leitziele
    • Unse­re Mitglieder
      • Mit­glied werden
    • Der Koor­di­nie­rungs­kreis
    • Die Geschäfts­stel­le
      • Sat­zung des Ver­eins “Stif­tung Zukunfts­rat Hamburg”
      • Geschäfts­ord­nung
    • Trans­pa­renz­in­for­ma­ti­on
    • His­to­rie
  • The­men
    • 25 Jah­re ZR – Eine digi­ta­le Festschrift
    • Das Ham­bur­ger Zukunftsmanifest
    • Enquete-Kom­mis­si­on “Nach­hal­ti­ge Zukunftsentwürfe”
  • Ter­mi­ne
    • Ver­an­stal­tung vorschlagen
  • Aktu­el­les
    • Pres­se­mit­tei­lun­gen
    • Der Zukunfts­rat Newsletter
      • News­let­ter Archiv
      • News­let­ter bestellen
    • Link Emp­feh­lun­gen
  • Publi­ka­tio­nen
    • Der HEINZ – Ham­bur­ger Ent­wick­lungs- INdi­ka­to­ren Zukunftsfähigkeit
  • Blog
  • Kon­takt
    • Mit­glied werden
    • News­let­ter bestellen

Stel­lung­nah­me des Zukunfts­rats Ham­burg zur Olym­pia-Bewer­bung 2036, 2040, 2044

Posted on 16 Apr. um 13:03 Uhr

Emp­feh­lung zum Referendum

Ein­lei­tung

Olym­pi­sche und Para­lym­pi­sche Spie­le haben unbe­streit­ba­re Poten­zia­le. Sie kön­nen inter­na­tio­na­le Begeg­nung und Völ­ker­ver­stän­di­gung för­dern — gera­de in einer von Kri­sen und Kon­flik­ten gepräg­ten Zeit ist das kein tri­via­les Argu­ment. Sie kön­nen Inves­ti­tio­nen in städ­ti­sche Infra­struk­tur, Mobi­li­tät und erneu­er­ba­re Ener­gien beschleu­ni­gen. Sie kön­nen sport­li­che Begeis­te­rung wecken, Impul­se für den Behin­der­ten­sport set­zen und eine Stadt inter­na­tio­nal als welt­of­fe­ne, moder­ne Metro­po­le positionieren.

Der Zukunfts­rat Ham­burg erkennt die­se Poten­zia­le an. Sie sind der Grund, war­um wir uns seit 2015 ernst­haft und dif­fe­ren­ziert mit der Fra­ge aus­ein­an­der­set­zen, unter wel­chen Bedin­gun­gen eine Olym­pia­be­wer­bung ver­ant­wort­bar sein könn­te. Die fol­gen­de Stel­lung­nah­me ist kei­ne grund­sätz­li­che Absa­ge an den olym­pi­schen Gedan­ken — sie ist eine sach­li­che Ana­ly­se der Fra­ge, ob die vor­lie­gen­den Infor­ma­tio­nen eine fun­dier­te Zustim­mung heu­te ermöglichen.

1. Was sich seit 2015 nicht ver­än­dert hat — und was sich ver­schärft hat

Der Zukunfts­rat Ham­burg hat bereits 2015 ein aus­führ­li­ches Posi­ti­ons­pa­pier zur dama­li­gen Olym­pia­be­wer­bung ver­öf­fent­licht. Unse­re zen­tra­le Aus­sa­ge lau­te­te damals:

Aus Sicht des Ressourcen‑, Kli­­ma- und Natur­schut­zes kön­nen Olym­pi­sche Spie­le nicht nach­hal­tig sein.

Wir for­mu­lier­ten sechs Bedin­gun­gen, unter denen eine Bewer­bung den­noch ver­ant­wort­bar sein könn­te: ein ehr­gei­zi­ges Nach­hal­tig­keits­kon­zept mit quan­ti­fi­zier­ba­ren Zie­len, des­sen Inte­gra­ti­on als Quer­schnitts­auf­ga­be in alle Pla­nungs­be­rei­che, die Durch­set­zungs­fä­hig­keit gegen­über dem IOC, umfas­sen­de Trans­pa­renz vor dem Refe­ren­dum, ver­bind­li­che Rück­­tritts-Kri­­te­ri­en bei Nicht-Ein­hal­­tung öko­lo­gi­scher und sozia­ler Grenz­wer­te sowie offe­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on über bestehen­de Unge­wiss­hei­ten. Unser Fazit 2015 war ein­deu­tig: Die Bedin­gun­gen für eine Ja-Emp­­feh­­lung waren nicht erfüllt. Das Posi­ti­ons­pa­pier von 2015 ist die­ser Stel­lung­nah­me als Anla­ge beigefügt.

Zehn Jah­re spä­ter stel­len wir fest: Aus unse­rer Sicht sind die­se sechs Bedin­gun­gen heu­te wei­ter­hin nicht nach­weis­lich erfüllt.

Was sich gegen­über 2015 ver­än­dert hat, ist nicht der Erfül­lungs­grad unse­rer Bedin­gun­gen, son­dern der wis­sen­schaft­li­che und gesell­schaft­li­che Kon­text. Die Kli­ma­kri­se schrei­tet schnel­ler vor­an als erwar­tet. Das sechs­te gro­ße Mas­sen­aus­ster­ben der Erd­ge­schich­te ist in vol­lem Gan­ge. Die Kapa­zi­tä­ten für qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge, veri­fi­zier­ba­re CO₂-Kom­­pen­­sa­­ti­on sind glo­bal begrenzt — die Nach­fra­ge nach sol­chen Pro­jek­ten über­steigt das ver­füg­ba­re Ange­bot in rele­van­ten Markt­seg­men­ten bereits heu­te deut­lich. Bereits der Ham­bur­ger Kli­ma­plan 2023 hält fest, dass CO₂-Kom­­pen­­sa­­ti­on grund­sätz­lich nur für unver­meid­ba­re Emis­sio­nen in Fra­ge kommt. Der Zukunfts­ent­scheid vom Okto­ber 2025 änder­te das Ham­bur­gi­sche Kli­ma­schutz­ge­setz so, dass Ham­burg bis 2040 kli­ma­neu­tral wer­den soll und dafür mit jähr­li­chen Emis­si­ons­bud­gets sowie Schätz­bi­lan­zen arbei­tet. Was 2015 eine begrün­de­te Befürch­tung war, ist heu­te wis­sen­schaft­lich bes­ser belegt: Olym­pi­sche Spie­le mit ernst­haf­tem Kli­ma­neu­tra­li­täts­an­spruch sind unter die­sen Bedin­gun­gen schwer rea­li­sier­bar — es sei denn, man nimmt in Kauf, dass knap­pe Kom­pen­sa­ti­ons­res­sour­cen von lebens­not­wen­di­gen Berei­chen wie Wohn­raum­hei­zung und Grund­stoff­pro­duk­ti­on abge­zo­gen werden.

2. Was der Senat bis­her gelie­fert hat — und was noch fehlt

Die aktu­el­le Bewer­bung zeigt gegen­über 2015 in meh­re­ren Berei­chen erkenn­ba­re Fort­schrit­te. Das Kon­zept kur­zer Wege zwi­schen den Sport­stät­ten, der erklär­te Ver­zicht auf voll­stän­di­ge Neu­bau­ten, der Fokus auf nach­hal­ti­ge Mobi­li­tät, der Anspruch auf Kreis­lauf­wirt­schaft bei Bau­ma­te­ria­li­en und die Absicht, kli­ma­freund­li­che Ver­pfle­gung anzu­bie­ten — das sind kei­ne lee­ren Wort­hül­sen. Es zeigt, dass Nach­hal­tig­keit im Bewer­bungs­pro­zess als The­ma ernst genom­men wird und dass die Ver­ant­wort­li­chen sich der Erwar­tun­gen bewusst sind.

Das Pro­blem liegt nicht im Feh­len von Absich­ten, son­dern im Feh­len von Sub­stanz. Die vor­lie­gen­den Kon­zep­te sind in wei­ten Tei­len all­ge­mein gehal­ten und nicht mit evi­denz­ba­sier­ten, über­prüf­ba­ren Daten hin­ter­legt. Kon­kre­te Emis­si­ons­bud­gets, ver­bind­li­che Ziel­wer­te für ein­zel­ne Berei­che, unab­hän­gig veri­fi­zier­ba­re Kom­pen­sa­ti­ons­maß­nah­men oder mess­ba­re Sozi­al­stan­dards — all das fehlt zum jet­zi­gen Zeit­punkt. Das wäre jedoch genau das, was eine fun­dier­te Ent­schei­dung der Bürger:innen vor dem Refe­ren­dum erfor­dern würde.

Hin­zu kommt der Zeit­punkt: In der Kom­mu­ni­ka­ti­on mit der Behör­de für Inne­res und Sport wur­de uns ver­mit­telt, dass die kon­kre­te Nach­hal­tig­keits­pla­nung erst nach dem Refe­ren­dum begin­nen soll. Das bedeu­tet nicht, dass der Senat Nach­hal­tig­keit nicht will. Es bedeu­tet, dass die Grund­la­gen für eine belast­ba­re Bewer­tung heu­te noch nicht vor­han­den sind — und dass die Bevöl­ke­rung gebe­ten wird, auf der Basis von Absichts­er­klä­run­gen zu ent­schei­den, nicht auf der Basis von Fakten.

Die Bewer­bung wird in der gesam­ten Stadt mit dem Prä­di­kat „kli­ma­po­si­ti­ve Spie­le” bewor­ben. Die­ser Begriff ist nicht nur wis­sen­schaft­lich nicht hin­rei­chend unter­mau­ert — er steht auch im Span­nungs­ver­hält­nis zur aktu­el­len wett­be­werbs­recht­li­chen Recht­spre­chung. Der Bun­des­ge­richts­hof hat am 27. Juni 2024 (I ZR 98/23) ent­schie­den, dass Wer­bung mit mehr­deu­ti­gen Umwelt­be­grif­fen wie „kli­ma­neu­tral“ ohne hin­rei­chen­de Erläu­te­rung im unmit­tel­ba­ren Wer­be­kon­text irre­füh­rend sein kann. Die dort ent­wi­ckel­te Begrün­dung ist auf ähn­li­che Begrif­fe wie „kli­ma­po­si­tiv“ über­trag­bar. Das OLG Düs­sel­dorf hat die­se Linie 2025 für Aus­sa­gen zu CO₂‑Neutralität bestä­tigt. Nach unse­rem Kennt­nis­stand ent­hal­ten zen­tra­le Ele­men­te der stadt­wei­ten Kom­mu­ni­ka­ti­on die­se Erläu­te­run­gen nicht. Ob das einen Ver­stoß gegen § 5 Abs. 1 UWG dar­stellt, wäre recht­lich zu prü­fen — ver­gleich­ba­re Fäl­le haben gezeigt, dass sol­che Aus­sa­gen zu Unter­las­sungs­kla­gen füh­ren können.

Ein kon­kre­tes Bei­spiel ver­deut­licht die Span­nung zwi­schen Ver­spre­chen und Rea­li­tät wei­ter: Der Senat betont, es wer­de kei­ne Neu­bau­ten für Olym­pia geben. Gleich­zei­tig plant die Stadt nach aktu­el­len Berich­ten den Bau eines neu­en Leicht­ath­le­tik­sta­di­ons im Bereich des Volks­parks und begrün­det dies damit, das Sta­di­on wür­de ohne­hin gebaut, unab­hän­gig von Olym­pia. Eine belast­ba­re, öffent­lich zugäng­li­che Bedarfs­ana­ly­se für die­ses Vor­ha­ben ist bis­lang nicht erkenn­bar. Ohne eine sol­che Ana­ly­se bleibt offen, auf wel­cher Grund­la­ge der Senat die Unab­hän­gig­keit die­ses Pro­jekts von der Olym­pia­be­wer­bung behauptet.

3. Ein aktu­el­les Bei­spiel: Mila­­no-Cor­­ti­­na 2026

Die aktu­el­len Win­ter­spie­le Mila­­no-Cor­­ti­­na 2026 illus­trie­ren, wie groß die Lücke zwi­schen Nach­hal­tig­keits­ver­spre­chen und Umset­zung in der Pra­xis aus­fal­len kann. Auch die­se Spie­le wur­den als die nach­hal­tigs­ten ange­kün­digt. Was folg­te, war Wald­ro­dung in der Nähe von UNESCO-Wel­t­er­be­­ge­­bie­­ten, der Aus­schluss von Umwelt­or­ga­ni­sa­tio­nen aus Pla­nungs­pro­zes­sen, die Befrei­ung von 50 Pro­zent aller Olym­­pia-Bau­­pro­­jek­­te von regu­lä­ren Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fun­gen und ein Ölkon­zern als Hauptsponsor.

Die ita­lie­ni­schen Behör­den bezif­fern die Gesamt­emis­sio­nen der Spie­le selbst auf etwa 900.000 bis 930.000 Ton­nen CO₂. Die­se Zahl ist jedoch eine unvoll­stän­di­ge Bilanz. Eine voll­stän­di­ge Kli­ma­bi­lanz müss­te auch die Emis­sio­nen ein­be­rech­nen, die durch Spon­so­ren aus­ge­löst wer­den: Allein die drei Haupt­spon­so­ren Eni, Stellan­tis und ITA Air­ways könn­ten zusam­men über 1,3 Mil­lio­nen Ton­nen CO₂ ver­ur­sa­chen — was zu einem Gesamt­fuß­ab­druck von etwa 2,2 Mil­lio­nen Ton­nen führt, mehr als dem Dop­pel­ten der offi­zi­ell kom­mu­ni­zier­ten Zif­fer. Das zeigt, wie selek­tiv die Kli­ma­kom­mu­ni­ka­ti­on von Olym­­pia-Orga­­ni­­sa­­ti­ons­­ko­­mi­­tees sein kann und wie wenig die offi­zi­el­len Zah­len über die tat­säch­li­che Kli­ma­wir­kung aussagen.

Das Ver­spre­chen „nach­hal­tigs­te Spie­le aller Zei­ten” wird mit jedem Zyklus wie­der­holt. Heu­te wird ergän­zend betont, das IOC sei durch die Agen­da 2020+ grund­le­gend refor­miert und allein des­halb wer­de es dies­mal bes­ser. Was sich durch die­se Reform jedoch nicht ver­än­dert hat, sind die struk­tu­rel­len Rah­men­be­din­gun­gen: die Abhän­gig­keit des IOC von Spon­so­ren mit hohem CO₂-Fuß­a­b­­druck, die Macht­asym­me­trie zwi­schen IOC und Gast­ge­ber­stadt und das Feh­len unab­hän­gi­ger exter­ner Kon­trol­le über Nachhaltigkeitsversprechen.

4. Die offe­nen Fra­gen — eine Zusam­men­fas­sung unse­res Anfrageschreibens

Im Dezem­ber 2025 hat der Zukunfts­rat Ham­burg ein detail­lier­tes Anfra­ge­schrei­ben an den Senat gerich­tet, das hier zum Down­load bereit­steht: [Anfra­ge­schrei­ben Zukunfts­rat Ham­burg, Dezem­ber 2025 — PDF]

Wir frag­ten nach der struk­tu­rel­len Ver­an­ke­rung des Nach­hal­tig­keits­kon­zepts in der Ver­wal­tung und danach, ob Nach­hal­tig­keit tat­säch­lich als Quer­schnitts­auf­ga­be in alle Pla­nungs­be­rei­che inte­griert ist — oder erneut als nach­ge­la­ger­tes Add-on behan­delt wird. Wir frag­ten, war­um die bei­den zen­tra­len Ham­bur­ger Nach­hal­tig­keits­gre­mi­en — der Zukunfts­rat Ham­burg und das Nach­hal­tig­keits­fo­rum Ham­burg — trotz des erklär­ten Nach­hal­tig­keits­an­spruchs der Bewer­bung bis­lang nicht sub­stan­zi­ell ein­ge­bun­den wur­den. Wir frag­ten nach den kon­kre­ten Ver­hand­lungs­po­si­tio­nen gegen­über dem IOC und danach, wie Ham­burg sicher­stel­len will, dass ein ehr­gei­zi­ges Nach­hal­tig­keits­kon­zept gegen die struk­tu­rel­len Inter­es­sen des IOC und sei­ner Spon­so­ren durch­ge­setzt wer­den kann. Wir frag­ten nach ver­bind­li­chen Rück­­tritts-Kri­­te­ri­en für den Fall, dass zen­tra­le Nach­hal­tig­keits­zie­le nicht erreich­bar sind. Wir frag­ten nach der genau­en Defi­ni­ti­on von „Kli­ma­neu­tra­li­tät oder Kli­ma­po­si­ti­vi­tät” — was die­se Begrif­fe kon­kret bedeu­ten, wel­che Emis­si­ons­quel­len in die Bilanz ein­be­zo­gen wer­den, wie Zusätz­lich­keit der Kom­pen­sa­ti­ons­maß­nah­men sicher­ge­stellt wird und wel­che Bud­gets hier­für vor­ge­se­hen sind. Und wir frag­ten nach dem Ziel­kon­flikt zwi­schen den Kom­pen­sa­ti­ons­be­dar­fen für Olym­pia und den Kom­pen­sa­ti­ons­be­dar­fen für lebens­not­wen­di­ge Berei­che in einer Stadt, die bis 2040 kli­ma­neu­tral wer­den will.

Die­se Fra­gen sind nicht beant­wor­tet wor­den. Sie wer­den, wie uns mit­ge­teilt wur­de, erst nach dem Refe­ren­dum beant­wor­tet wer­den können.

5. Wei­te­re offe­ne Fra­gen — die gesell­schaft­li­che Dimension

Die Fra­gen des Zukunfts­rats sind nicht die ein­zi­gen, die vor dem Refe­ren­dum einer Ant­wort bedür­fen. Die fol­gen­de Aus­wahl gibt einen Ein­druck von der Brei­te der noch unge­klär­ten Fra­gen — sie erhebt kei­nen Anspruch auf Vollständigkeit.

Groß­ver­an­stal­tun­gen die­ser Art sind in der Ver­gan­gen­heit häu­fig mit Ver­än­de­run­gen auf dem Woh­nungs­markt in den betrof­fe­nen Stadt­tei­len in Ver­bin­dung gebracht wor­den — ob und in wel­chem Aus­maß sol­che Effek­te ein­tre­ten, ist wis­sen­schaft­lich nicht abschlie­ßend geklärt. Wel­che kon­kre­ten Maß­nah­men plant Ham­burg, um mög­li­che nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf ein­kom­mens­schwa­che Bevöl­ke­rungs­grup­pen früh­zei­tig zu erken­nen und zu begrenzen?

Bei den Olym­pi­schen Spie­len in Paris 2024 wur­de doku­men­tiert, dass obdach­lo­se Men­schen im Vor­feld der Spie­le aus zen­tra­len Berei­chen der Stadt ver­drängt wur­den. Wie stellt Ham­burg sicher, dass die Rech­te und die Wür­de obdach­lo­ser Men­schen wäh­rend der gesam­ten Vor­­­be­­rei­­tungs- und Durch­füh­rungs­pha­se gewahrt bleiben?

Olym­pi­sche Spie­le wer­den häu­fig als Impuls für den Brei­ten­sport dar­ge­stellt. Wel­che kon­kre­ten Mecha­nis­men sind vor­ge­se­hen, um sicher­zu­stel­len, dass klei­ne Ham­bur­ger Sport­ver­ei­ne und Stadt­teil­sport­an­ge­bo­te tat­säch­lich von den Spie­len pro­fi­tie­ren — und nicht nur Hoch­leis­tungs­sport und gro­ße Verbände?

IOC-Spon­­so­­ren­­ver­­­trä­­ge räu­men glo­ba­len Kon­zer­nen in der Regel exklu­si­ve Ver­mark­tungs­rech­te ein. Wie wird Ham­burg sicher­stel­len, dass loka­le Ein­zel­händ­ler, Gas­tro­no­mie­be­trie­be und klei­ne Unter­neh­men durch die­se Ver­trä­ge nicht benach­tei­ligt werden?

Ein zen­tra­les Ver­spre­chen der Bewer­bung sind die kur­zen Wege per ÖPNV. Der Ham­bur­ger Haupt­bahn­hof — mit täg­lich rund 500.000 Rei­sen­den der meist­fre­quen­tier­te Bahn­hof Deutsch­lands — soll grund­le­gend umge­baut wer­den, wobei der Bau nicht vor 2028 begin­nen soll. Expert:innen rech­nen mit einer Bau­zeit von min­des­tens 10 Jah­ren. Ver­gleich­ba­re Groß­pro­jek­te der Bahn wie Stutt­gart 21 oder der Ber­li­ner Haupt­bahn­hof zei­gen, dass selbst ambi­tio­nier­te Zeit­plä­ne in der Pra­xis regel­mä­ßig über­schrit­ten wer­den. Bei Spie­len 2036 oder 2040 wür­den die Olym­pi­schen Spie­le damit mit­ten in die Bau­pha­se des wich­tigs­ten Ver­kehrs­kno­ten­punkts der Stadt fal­len. Wie soll das Ver­spre­chen kur­zer, rei­bungs­lo­ser Wege unter die­sen Bedin­gun­gen ein­ge­löst werden?

Nach Erfah­run­gen mit jün­ge­ren Som­mer­spie­len ist mit einer Grö­ßen­ord­nung von rund zehn Mil­lio­nen Besucher:innen zu rech­nen; Ham­burg selbst hat bis­lang kei­ne belast­ba­re, öffent­lich zugäng­li­che Besucher:innen-Prognose ver­öf­fent­licht. Ham­burg ver­zeich­ne­te zuletzt einen Jah­res­re­kord von 16,5 Mil­lio­nen Hotel­über­nach­tun­gen — davon allein 1,63 Mil­lio­nen im Juli. Wo sol­len die zusätz­li­chen Besucher:innen unter­ge­bracht wer­den? Wel­che Aus­wir­kun­gen hät­te das auf den ohne­hin ange­spann­ten Woh­nungs­markt, auf die Lebens­qua­li­tät der Ham­bur­ger Bevöl­ke­rung und auf eine Stadt, in der Stim­men gegen Über­tou­ris­mus längst laut werden?

Hin­zu kommt die finan­zi­el­le Dimen­si­on. Olym­pi­sche Spie­le sind his­to­risch für erheb­li­che Kos­ten­über­schrei­tun­gen bekannt — das finan­zi­el­le Risi­ko liegt dabei regel­mä­ßig bei der Gast­ge­ber­stadt, wäh­rend das IOC als pri­va­te Orga­ni­sa­ti­on kei­ne Haf­tung über­nimmt. Ham­burg und der DOSB kal­ku­lie­ren mit Ein­nah­men aus loka­lem Spon­so­ring, Ein­tritts­kar­ten­ver­kauf und IOC-Bei­­trä­­gen — doch wie belast­bar die­se Annah­men sind, lässt sich heu­te nicht über­prü­fen. Ver­bind­li­che Kos­ten­gren­zen oder Aus­stiegs­klau­seln sind bis­lang nicht kom­mu­ni­ziert wor­den. Das Gesamt­fi­nanz­ri­si­ko wird sich voll­stän­dig erst nach den Spie­len zei­gen. Bemer­kens­wert ist in die­sem Zusam­men­hang auch, dass erneut erheb­li­che Steu­er­mit­tel für Bewer­bungs­kom­mu­ni­ka­ti­on ein­ge­setzt wer­den — nicht für sach­li­che Auf­klä­rung, son­dern für Begeis­te­rung. Die­ses Mus­ter gab es bereits vor dem Refe­ren­dum 2015, das die Ham­bur­ger Bevöl­ke­rung den­noch mit Nein entschied.

Die­se Fra­gen wur­den in ähn­li­cher Form bereits 2015 vom Zukunfts­rat gestellt. Belast­ba­re Ant­wor­ten dar­auf lie­gen wei­ter­hin nicht vor.

6. Feh­len­de Nach­hal­tig­keits­exper­ti­se in der Planungsphase

In Gesprä­chen mit Ver­ant­wort­li­chen haben wir fest­ge­stellt, dass im aktu­el­len Vor­­­pro­­jekt-Pla­­nungs­­­k­reis noch kei­ne aus­rei­chen­de Nach­hal­tig­keits­exper­ti­se ver­tre­ten ist. Das bedeu­tet nicht, dass Nach­hal­tig­keits­über­le­gun­gen im Pro­zess kei­ne Rol­le spie­len. Es bedeu­tet, dass sie struk­tu­rell noch nicht aus­rei­chend ver­an­kert sind, um die ambi­tio­nier­ten Ver­spre­chen der Bewer­bung ein­zu­lö­sen. Wenn die Spie­le so nach­hal­tig sein sol­len wie ver­spro­chen, muss die­se Exper­ti­se von Anfang an in die Pla­nung ein­ge­bun­den sein — nicht nach­ge­la­gert. Genau jetzt, in der Vor­pro­jekt­pha­se, wer­den die kon­zep­tio­nel­len Grund­la­gen gelegt.

Der Zukunfts­rat Ham­burg und das Nach­hal­tig­keits­fo­rum Ham­burg — die bei­den größ­ten Ham­bur­ger Nach­hal­tig­keits­netz­wer­ke — wur­den weder in die Ent­schei­dungs­fin­dung noch in die Kon­zep­ti­on oder Pla­nung ein­be­zo­gen. Ange­sichts des erklär­ten Nach­hal­tig­keits­an­spruchs der Bewer­bung ist das eine Lücke, die erklärt wer­den sollte.

7. Demo­kra­tie, Trans­pa­renz und die Fra­ge der Neutralität

Eine demo­kra­ti­sche Abstim­mung setzt vor­aus, dass die Bevöl­ke­rung aus­ge­wo­gen infor­miert wird. Dar­an bestehen im bis­he­ri­gen Ver­fah­ren begrün­de­te Zweifel.

Mehr Demo­kra­tie Ham­burg hat in einer Pres­se­mit­tei­lung vom 31. März 2026 kri­ti­siert, dass der Senat Schu­len mit steu­er­fi­nan­zier­tem Infor­ma­ti­ons­ma­te­ri­al zur Olym­pia­be­wer­bung ver­sorgt hat, das vom Vor­pro­jekt Olym­pi­sche und Para­lym­pi­sche Spie­le Ham­burg ent­wi­ckelt wur­de — also von der Stel­le, die den Auf­trag hat, die Bewer­bung vor­an­zu­trei­ben. Als zen­tra­le Recher­che­quel­le wird dar­in durch­gän­gig die offi­zi­el­le Senats­platt­form ham​burg​-olym​pia​.de emp­foh­len; kri­ti­sche oder unab­hän­gi­ge Quel­len feh­len. Mehr Demo­kra­tie Ham­burg bewer­tet dies als Ver­stoß gegen das Neu­tra­li­täts­ge­bot sowie gegen den in Ham­burg schul­recht­lich nor­mier­ten Beu­tels­ba­cher Kon­sens, der ein Über­wäl­ti­gungs­ver­bot und ein Kon­tro­ver­si­täts­ge­bot vor­schreibt. Dass inzwi­schen recht­li­che Schrit­te geprüft wer­den, zeigt: Es han­delt sich nicht um eine Fra­ge des Geschmacks, son­dern des Rechts. Der Zukunfts­rat teilt die­se Ein­schät­zung. Die Pres­se­mit­tei­lung ist abruf­bar unter: [hh​.mehr​-demo​kra​tie​.de]

Das Schul­ma­te­ri­al steht nicht für sich allein. Es reiht sich ein in ein brei­te­res Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mus­ter: Das Betei­li­gungs­for­mat „Dei­ne Stadt. Dei­ne Stim­me. Dei­ne Spie­le.” hat Bür­ger­nä­he signa­li­siert, die Grund­satz­fra­ge — ob die Aus­tra­gung Olym­pi­scher Spie­le in ihrer heu­ti­gen Form den gesell­schaft­li­chen Prio­ri­tä­ten Ham­burgs ent­spricht — stand jedoch in kei­nem der For­ma­te zur Debat­te. Der Zukunfts­rat hat sich mit die­sem Mus­ter in einem eige­nen Bei­trag aus­ein­an­der­ge­setzt: [zukunfts​rat​.de — „Wenn Infor­ma­ti­on zur Steue­rung wird”]

Abschlie­ßend möch­te der Zukunfts­rat den Umgang mit kri­ti­schen Stim­men anspre­chen. Bür­ger­meis­te­rin Fege­bank hat zwi­schen einem „Team Mut” und einem „Team Angst” unter­schie­den; Sena­tor Gro­te bezeich­ne­te Kritiker:innen als „Koali­ti­on der schlech­ten Lau­ne”. Sol­che For­mu­lie­run­gen tra­gen nicht zu einer sach­li­chen Debat­te bei, die ein demo­kra­ti­sches Ver­fah­ren die­ser Trag­wei­te erfor­dert. Kri­tik an einer Olym­pia­be­wer­bung ist kei­ne Fra­ge von Mut oder Angst — sie ist eine Fra­ge von Abwä­gung und Verantwortung.

8. Struk­tu­rel­le Widersprüche

Jen­seits der unbe­ant­wor­te­ten Detail­fra­gen bestehen struk­tu­rel­le Wider­sprü­che, die mit kei­nem noch so ambi­tio­nier­ten Nach­hal­tig­keits­kon­zept auf­ge­löst wer­den können.

Treib­haus­gas­emis­sio­nen wir­ken glo­bal, unab­hän­gig vom Ent­ste­hungs­ort. Wenn Ham­burg durch Olym­­pia-bedin­g­­te Bun­des­mit­tel schnel­ler dekar­bo­ni­siert, wäh­rend ande­ren Städ­ten die­se Mit­tel feh­len, ent­steht kei­ne glo­ba­le Emis­si­ons­re­duk­ti­on — son­dern eine Ver­schie­bung. Die glei­chen Mit­tel, direkt in Dekar­bo­ni­sie­rungs­in­fra­struk­tur inves­tiert, hät­ten bun­des­weit eine höhe­re Kli­ma­wir­kung pro inves­tier­tem Euro.

Olym­pi­sche Spie­le erzeu­gen erheb­li­che Zusatz­emis­sio­nen, die durch Kom­pen­sa­ti­ons­ver­spre­chen allein nicht voll­stän­dig aus­ge­gli­chen wer­den kön­nen. Das Orga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tee von Paris 2024 kom­mu­ni­zier­te einen Ziel­wert von 1,58 Mil­lio­nen Ton­nen CO₂-Äqui­­va­­len­­ten. Schät­zun­gen, etwa die der NGO The Shif­ters, kamen auf rund 2,11 Mil­lio­nen Ton­nen — eine Abwei­chung von mehr als 30 Pro­zent gegen­über dem offi­zi­el­len Ziel­wert. Der größ­te Anteil der Emis­sio­nen stammt aus inter­na­tio­na­lem Flug­ver­kehr, der struk­tu­rell kaum redu­zier­bar ist, solan­ge das For­mat eines glo­ba­len Megae­vents bei­be­hal­ten wird. Unter Berück­sich­ti­gung der Kon­­­dens­s­trei­­fen-RF (Radia­ti­ve For­cing) sind die Abwei­chun­gen sogar noch höher.

Die For­de­rung nach „kli­ma­po­si­ti­ven Spie­len” steht zudem in Span­nung mit Ham­burgs eige­nem Kli­ma­recht. Der Ham­bur­ger Zukunfts­ent­scheid vom Okto­ber 2025 hat das Ham­bur­gi­sche Kli­ma­schutz­ge­setz grund­le­gend ver­än­dert: Ab 2026 gel­ten ver­bind­li­che jähr­li­che CO₂-Emis­­si­ons­o­ber­­gren­­zen, die einen ste­ti­gen Reduk­ti­ons­pfad bis zur 98-pro­­zen­­ti­­gen Min­de­rung bis 2040 fest­le­gen. Bei Über­schrei­tung die­ser Gren­zen muss der Senat inner­halb von fünf Mona­ten ein Sofort­pro­gramm beschlie­ßen. Kom­pen­sa­ti­on ist im Gesetz nicht als Stan­dard­me­tho­de vor­ge­se­hen und an stren­ge Bedin­gun­gen geknüpft. Das Gesetz prio­ri­siert aus­drück­lich tat­säch­li­che Emis­si­ons­min­de­run­gen. Das bedeu­tet: Jede Ton­ne CO₂, die durch die Spie­le zusätz­lich ent­steht, gefähr­det den gesetz­lich fest­ge­leg­ten Reduk­ti­ons­pfad und erfor­dert kon­kre­te Gegen­maß­nah­men in ande­ren Sektoren.

Ein wei­te­rer Wider­spruch betrifft das Ham­bur­ger Ver­ga­be­recht. IOC-Spon­­so­rin­g­­ver­­­trä­­ge räu­men glo­ba­len Kon­zer­nen im Rah­men des Olym­pic Part­ner Pro­gram­me exklu­si­ve Ver­mark­tungs­rech­te ein — Coca-Cola etwa hält die Exklu­siv­rech­te für Geträn­ke bis min­des­tens 2032, Visa für Zah­lungs­sys­te­me. In der Pra­xis bedeu­tet das: Loka­le Anbie­ter von bio­lo­gi­schen, regio­na­len oder fair gehan­del­ten Pro­duk­ten sind von der Ver­mark­tung fak­tisch aus­ge­schlos­sen. Bei Mila­­no-Cor­­ti­­na 2026 war die­ser Effekt bereits zu beob­ach­ten. Das steht in poten­zi­el­lem Wider­spruch zu den Nach­hal­tig­keits­an­for­de­run­gen des Ham­bur­gi­schen Ver­ga­be­rechts, das bei öffent­li­chen Auf­trä­gen öko­lo­gi­sche und sozia­le Kri­te­ri­en vor­schreibt. Ob das Orga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tee der Ham­bur­ger Spie­le als öffent­li­cher Auf­trag­ge­ber im Sin­ne des Geset­zes gegen Wett­be­werbs­be­schrän­kun­gen ein­zu­stu­fen wäre — und wel­che ver­ga­be­recht­li­chen Kon­se­quen­zen das hät­te — ist eine Fra­ge, die bis­lang nicht öffent­lich erör­tert wor­den ist.

Das soge­nann­te „Les­ser Evil”-Argument — lie­ber Ham­burg als ande­re Aus­tra­gungs­or­te mit gerin­ge­ren Nach­hal­tig­keits­stan­dards — setzt vor­aus, dass Olym­pia in sei­ner heu­ti­gen Form statt­fin­den muss. Die­se Prä­mis­se ver­dient eine eige­ne Debat­te, die bis­lang nicht geführt wird.

9. Eine grund­sätz­li­che Frage

Am Ran­de die­ser Ana­ly­se erlau­ben wir uns einen wei­ter­ge­hen­den Gedan­ken, auch wenn er nicht unmit­tel­bar Gegen­stand des Refe­ren­dums ist: Das olym­pi­sche Mot­to „Citi­us, Alti­us, For­ti­us” — schnel­ler, höher, stär­ker — steht für Wachs­tum, Über­bie­tung und Spek­ta­kel der Super­la­ti­ve. In einer Zeit, in der Suf­fi­zi­enz zuneh­mend als not­wen­di­ge gesell­schaft­li­che Ant­wort auf die öko­lo­gi­sche Kri­se dis­ku­tiert wird, lohnt es sich zu fra­gen, ob ein glo­ba­les Megae­vent die­ser Grö­ßen­ord­nung das rich­ti­ge Signal für eine Stadt­ge­sell­schaft ist, die sich dem Kli­ma­schutz ver­pflich­tet hat. Wir stel­len die­se Fra­ge nicht als Argu­ment gegen Sport oder inter­na­tio­na­le Begeg­nung — son­dern als Ein­la­dung zur gesell­schaft­li­chen Reflexion.

10. Unse­re Empfehlung

Wir erken­nen an: Vie­le der Beden­ken, die gegen­über Olym­pi­schen Spie­len geäu­ßert wer­den, sind kei­ne abs­trak­ten Befürch­tun­gen — sie sind aus den kon­kre­ten Erfah­run­gen ver­gan­ge­ner Ver­an­stal­tun­gen abge­lei­tet. Ham­burg kann sich viel vor­neh­men, es bes­ser zu machen. Ob das gelingt, wür­den wir aller­dings erst nach den Spie­len wis­sen. Ham­burg wäre damit die ers­te Stadt in der Geschich­te moder­ner Olym­pi­scher Spie­le, der das tat­säch­lich gelänge.

Was jedoch unab­hän­gig davon fest­steht: Die glo­ba­len Kapa­zi­tä­ten für qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge, veri­fi­zier­ba­re CO₂-Kom­­pen­­sa­­ti­on sind begrenzt. Jede Ton­ne CO₂, die für ein frei­wil­li­ges Gro­ße­vent kom­pen­siert wird, steht für lebens­not­wen­di­ge Berei­che nicht mehr zur Ver­fü­gung. Das Ham­bur­gi­sche Kli­ma­schutz­ge­setz — bereits in der Fort­schrei­bung des Kli­ma­plans 2023 ver­an­kert und durch den Zukunfts­ent­scheid 2025 recht­lich gestärkt — lässt eine belie­bi­ge Kom­pen­sa­ti­on von Olym­­pia-Emis­­sio­­nen nicht zu. Die­se Gren­ze lässt sich nicht mit gutem Wil­len, bes­se­rer Pla­nung oder ambi­tio­nier­te­ren Ver­spre­chen verschieben.

Auf Grund­la­ge der heu­te vor­lie­gen­den Infor­ma­tio­nen emp­feh­len wir aus der Per­spek­ti­ve nach­hal­ti­ger Ent­wick­lung beim Refe­ren­dum über eine Olym­pia­be­wer­bung Ham­burgs für 2036, 2040 oder 2044 am 31. Mai ein Nein.

Die­se Emp­feh­lung basiert nicht auf einer grund­sätz­li­chen Ableh­nung Olym­pi­scher Spie­le oder des Sports. Sie basiert auf einer Ana­ly­se der ver­füg­ba­ren Infor­ma­tio­nen — und auf dem Feh­len der Infor­ma­tio­nen, die für eine ver­ant­wor­tungs­vol­le Ent­schei­dung not­wen­dig wären. Die sechs Bedin­gun­gen, die wir 2015 for­mu­liert haben, sind heu­te nicht erfüllt. Die wis­sen­schaft­li­che Evi­denz zu Kli­ma­ri­si­ken und Kom­pen­sa­ti­ons­gren­zen ist seit 2015 deut­lich stär­ker gewor­den. Die inhalt­li­che Nach­hal­tig­keits­pla­nung soll erst nach einem posi­ti­ven Votum begin­nen. Und die Rah­men­be­din­gun­gen der Infor­ma­ti­ons­ver­mitt­lung vor dem Refe­ren­dum — wie von Mehr Demo­kra­tie Ham­burg doku­men­tiert — ent­spre­chen nicht den Anfor­de­run­gen an ein aus­ge­wo­ge­nes demo­kra­ti­sches Verfahren.

Ham­burg hat die Mög­lich­keit, kli­ma­po­li­ti­sche Füh­rung zu zei­gen — nicht durch ein mög­lichst grün ver­mark­te­tes Megae­vent, son­dern durch den Mut, ver­füg­ba­re Res­sour­cen kon­se­quent in Dekar­bo­ni­sie­rung zu investieren.

Anla­gen:

  • Posi­ti­ons­pa­pier des Zukunfts­rats Ham­burg zur Olym­pia­be­wer­bung 2015 (27.10.2015) [PDF-Down­­load]
  • Anfra­ge­schrei­ben des Zukunfts­rats Ham­burg an den Senat, Dezem­ber 2025 [PDF-Down­­load]

Wei­ter­füh­ren­de Links:

  • Zukunfts­rat Ham­burg: „Wenn Infor­ma­ti­on zur Steue­rung wird” [zukunfts​rat​.de]
  • Mehr Demo­kra­tie Ham­burg: Kri­tik an Olym­­pia-Wer­­bung des Senats an Ham­bur­ger Schu­len [hh​.mehr​-demo​kra​tie​.de]

Der Zukunfts­rat Ham­burg ist das Netz­werk für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung in Ham­burg. Die­se Stel­lung­nah­me gibt die Posi­ti­on des Zukunfts­rats als Netz­werk wie­der. Sie basiert auf wis­sen­schaft­li­cher Ana­ly­se und unse­rem lang­jäh­ri­gen Enga­ge­ment für eine zukunfts­fä­hi­ge Stadt. Wir ver­tre­ten kei­ne Par­tei und kei­ne wirt­schaft­li­chen Interessen.

Pres­se­mit­tei­lung zum Download
Vorheriger Beitrag
Ham­burgs Olym­pia-Refe­ren­dum: Eine Ent­schei­dung ohne aus­rei­chen­de Grundlage
Nächster Beitrag
Bar­rie­re­freie Kul­tur­per­len in Hamburg

© (Copy­right) 2010 — 2026 Zukunfts­rat Hamburg

  • Daten­schutz­er­klä­rung
  • Impres­sum
  • Kon­takt
  • Pri­vat­sphä­re-Ein­stel­lun­gen ändern
  • His­to­rie der Privatsphäre-Einstellungen
  • Ein­wil­li­gun­gen widerrufen