• Über uns
    • Auf­ga­ben & Leitziele
    • Unse­re Mitglieder
      • Mit­glied werden
    • Der Koor­di­nie­rungs­kreis
    • Die Geschäfts­stel­le
      • Sat­zung des Ver­eins “Stif­tung Zukunfts­rat Hamburg”
      • Geschäfts­ord­nung
    • Trans­pa­renz­in­for­ma­ti­on
    • His­to­rie
  • The­men
    • 25 Jah­re ZR – Eine digi­ta­le Festschrift
    • Das Ham­bur­ger Zukunftsmanifest
    • Enquete-Kom­mis­si­on “Nach­hal­ti­ge Zukunftsentwürfe”
  • Ter­mi­ne
    • Ver­an­stal­tung vorschlagen
  • Aktu­el­les
    • Pres­se­mit­tei­lun­gen
    • Der Zukunfts­rat Newsletter
      • News­let­ter Archiv
      • News­let­ter bestellen
    • Link Emp­feh­lun­gen
  • Publi­ka­tio­nen
    • Der HEINZ – Ham­bur­ger Ent­wick­lungs- INdi­ka­to­ren Zukunftsfähigkeit
  • Blog
  • Kon­takt
    • Mit­glied werden
    • News­let­ter bestellen

Hält unse­re Gesell­schaft noch zusammen?

Posted on 5. September 2020

Unser Zusam­men­le­ben zeigt Bruch­stel­len: Man­gel an Respekt, Gewalt­be­reit­schaft, Miss­brauch sozia­ler Medi­en, Ver­stö­ße gegen Infek­ti­ons­schutz-Gebo­te. Der Kon­sens über ein fried­li­ches, gerech­tes Mit­ein­an­der brö­ckelt. Und das nicht nur in Deutschland.

Rechts­staat und Grundrechte

Eine sozi­al nach­hal­ti­ge, zukunfts­fä­hi­ge Gesell­schaft braucht einen funk­tio­nie­ren­den Rechts­staat – Poli­zei, Jus­tiz, eine geset­zes­treue, kor­rup­ti­ons­freie Ver­wal­tung. Und die Men­schen müs­sen ihm ver­trau­en, davon über­zeugt sein.

Für das Demons­tra­ti­ons­recht, die Mei­nungs- und Pres­se­frei­heit, den Gleich­heits­satz gilt Ähn­li­ches: Ihre Wahr­neh­mung muss objek­tiv gesi­chert sein, und die Men­schen müs­sen dem glei­chen Grund­rechts­schutz für alle trauen.

Bei­des ist in Gefahr. Woher kommt das? Was muss für eine zukunfts­fä­hi­ge, nach­hal­ti­ge­re Gesell­schaft getan wer­den? Ich weiß es nicht, habe nur eine Meinung:

Unsi­cher­heit und Ungleichheit

Digi­ta­li­sie­rung, Glo­ba­li­sie­rung, Kli­ma­kri­se und Pan­de­mie ver­än­dern unse­re Gesell­schaft in einem Tem­po, das Angst machen kann. Die Welt wird immer kom­pli­zier­ter, undurch­schau­ba­rer. Nichts ist mehr sicher: Arbeits­platz, Ren­te, sozia­ler Sta­tus, Bezie­hun­gen, ver­trau­te Umge­bung. Nicht viel wert sind auch Aus­bil­dung, Erfah­rung, Wis­sen – lebens­lan­ges Ler­nen ist ange­sagt. Dem Stolz, eine Auf­ga­be zu erfül­len, wich­tig zu sein, kommt schnell die Basis abhan­den. Und das gilt kei­nes­wegs nur für Braun­koh­le-Kum­pel in der Lausitz.

In den Wirt­schafts­wun­der­jah­ren des letz­ten Jahr­hun­derts ging es grund­sätz­lich auf­wärts. Fort­schritts­glau­be, Wachs­tum und Kon­sum ein­ten die Gesell­schaft. „Mei­ne Kin­der wer­den es ein­mal bes­ser haben“. Das ist vor­bei. Heu­te ist Kri­se, Unsi­cher­heit, Unüber­sicht­lich­keit – trotz höhe­ren Wohl­stands, im Durchschnitt.

Bei gro­ßer Ungleich­heit. Die­se mag markt­kon­form sein, erscheint aber unge­recht. Ein­kom­men und Ver­mö­gen von DAX-Vor­stän­den oder Sport- und Kul­tur­grö­ßen sind für Durch­schnitts­ver­die­ner nicht mehr nach­voll­zieh­bar. Und dass eine Kri­se Rei­che rei­cher und Arme ärmer macht, ist für das Ver­trau­en in den Rechts- und Sozi­al­staat fatal. Eben­so wie die Abhän­gig­keit des Bil­dungs- und Berufs­er­folgs vom sozia­len Sta­tus der Eltern. Selbst Ungleich­heit aus klug genutz­ter Chan­cen­gleich­heit muss „ver­hält­nis­mä­ßig“ bleiben.

Angst oder Mut

Dies alles trifft bei den ein­zel­nen Men­schen auf eine unter­schied­li­che per­sön­li­che Innen­aus­stat­tung — psy­chisch, emo­tio­nal und geis­tig. Die einen füh­len sich posi­tiv her­aus­ge­for­dert, moti­viert, und die ande­ren über­rum­pelt und über­for­dert: Zuver­sicht oder Zukunfts­angst. Das sucht sich nie­mand aus. Die Pro­ble­me sind da, Angst oder Mut auch.

Wen die Zukunft ängs­tigt und die Kom­ple­xi­tät der Welt bedroht, der sucht viel­leicht ein­fa­che Ant­wor­ten, Glau­bens­sät­ze, eine Ideo­lo­gie, die alles erklärt und sor­tiert. Die Ord­nung gibt, Rich­tung, Sinn und Trost. Um Wahr­heit und Fak­ten geht es dabei weni­ger, um Mit­mensch­lich­keit und Gerech­tig­keit auch nicht. Das Ich, die eige­ne Iden­ti­tät for­dert Rückenstärkung.

Ver­schwö­rungs­theo­rien, Ras­sis­mus, Anti­se­mi­tis­mus bie­ten ein­fa­che „Lösun­gen“ für kom­ple­xe Pro­ble­me. Noch nie war die Suche nach sol­chen Lösun­gen und nach Gleich­ge­sinn­ten so ein­fach wie heu­te. Im Netz.

Ohn­macht und Wut

Ver­bin­den sich sol­che Über­zeu­gun­gen mit dem Gefühl der eige­nen Ohn­macht und gesell­schaft­li­cher Aus­gren­zung, sind Wut und Hass nahe. Auf die, die das Ver­trau­te, die Sicher­heit, die Zukunft bedro­hen. Auf die Bestim­mer, die Angst­ma­cher. Ein­fa­che Lösun­gen for­dern Opfer, Schul­di­ge, Sün­den­bö­cke: Poli­ti­ker, Frem­de, Anders­gläu­bi­ge. Noch nie war es so ein­fach, Wut und Hass auf sie anonym her­aus­zu­schrei­en — auf Demons­tra­tio­nen, in den sozia­len Medi­en, in Liedtexten.

Und noch nie schlug dies in so viel Dro­hung und Gewalt um, in so viel Ver­let­zung und Menschenverachtung.

Wie soll es wei­ter gehen? Star­ker Rechtsstaat

Ich fan­ge hin­ten an:

Ver­trau­en in den Rechts­staat gibt es nur, wenn Gewalt in jeder Form ver­hin­dert bzw. kon­se­quent geahn­det wird. Das gilt für alle Täter (ganz über­wie­gend Män­ner) – für ideo­lo­gi­sche Extre­mis­ten und Tes­to­ste­ron-gesteu­er­te Schlä­ger eben­so wie für Frau­en­fein­de mit reli­giö­sem oder kul­tu­rel­lem Motiv. Auch natür­lich für Poli­zis­ten, die das staat­li­che Gewalt­mo­no­pol missbrauchen. 

Ver­ba­le Aus­drü­cke von Wut und Hass, die belei­di­gen, nöti­gen, ver­leum­den, sind eben­falls Straf­ta­ten. Auch sie müss­ten für die Täter Fol­gen haben. Müss­ten. Aber der Rechts­staat ist hier zahn­los: Die sozia­len Medi­en sind kaum zu fas­sen, Ein­grif­fe bedro­hen schnell die Mei­nungs­frei­heit und das Zen­sur­ver­bot. Poli­zei und Jus­tiz sind per­so­nell und tech­nisch total über­for­dert. Das Ver­trau­en in den Grund­rechts­schutz der Opfer lei­det erheblich.

Gele­gen­hei­ten zum Austausch

Wir müs­sen frü­her anset­zen: Bereits radi­ka­li­sier­te Extre­mis­ten und Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker sind schwer wie­der zurück­zu­ho­len. „Frü­her“ heißt: vor der fata­len Suche nach ein­fa­chen Ant­wor­ten, schon beim täg­li­chen Zusam­men­le­ben, beim per­sön­li­chen Umgang.

Mei­ne Mei­nung: In Groß­städ­ten wie Ham­burg haben sich die sozia­len Milieus und Krei­se seit lan­gem aus­ein­an­der­ge­lebt. Man braucht sich nicht mehr. Die Quar­tie­re sind reich, bür­ger­lich oder arm, aber sel­ten gemischt. Der wohl­ha­ben­de Wes­ten und Nor­den Ham­burgs steht dem armen Osten und Süden gegenüber.

Die Ver­su­che, Flücht­lings­un­ter­künf­te und sozia­len Woh­nungs­bau in rei­che Vier­tel zu inte­grie­ren, sind zu sel­ten und tref­fen auf Wider­stand. Die Markt­prei­se für Miet- und Eigen­tums­woh­nun­gen las­sen nor­ma­le Mobi­li­tät in „bes­se­re“ Stadt­tei­le nicht mehr zu.

So fehlt die Gele­gen­heit des Ken­nen­ler­nens, des Aus­tauschs zwi­schen den sozia­len Milieus. Frü­her bot dies ein­mal die all­ge­mei­ne Wehr­pflicht. Heu­te viel­leicht noch der Fuß­ball, even­tu­ell ein Ver­ein. Par­tei­en, lei­der auch Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen bie­ten die­se Gele­gen­heit in aller Regel nicht. 

Die Bla­sen verlassen

Jede*r lebt in einer Bla­se. Bei den Jün­ge­ren ver­mit­telt durch Face­book, Instra­gram, Whats­app und Co. Chat­groups und Foren Gleich­ge­sinn­ter erset­zen oft die per­sön­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit Anders­den­ken­den. Zei­tun­gen und Medi­en mit brei­tem Infor­ma­ti­ons­an­ge­bot sind meist out bei den Jüngeren.

Bei den Älte­ren besteht die Bla­se aus dem „bewähr­ten“ jahr­zehn­te­al­ten Bekann­ten­kreis – oft nicht weni­ger geschlos­sen und gleich­ge­sinnt. Hin­zu kommt die eine seit Jahr­zehn­ten abon­nier­te Zei­tung. Gilt auch für mich.

Die „bes­se­ren Krei­se“ rümp­fen die Nase über Pegi­da, AfD, online-Belei­di­gun­gen, Hass-Posts und Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker. Ihr Über­le­gen­heits­ge­fühl zeigt sich zuwei­len auch in „ihrer“ Pres­se. Die­se lügt nicht – in der Regel. Aber natür­lich wählt sie zwangs­läu­fig Infor­ma­tio­nen aus, macht auch Mei­nung damit. Aber „die ande­ren“ haben dort meist kei­ne Stim­me. Die haben inzwi­schen ihre eige­nen Medi­en und Kul­tu­ren. Schon eine gespal­te­ne Gesellschaft?

Die Bruch­stel­len unse­res Zusam­men­le­bens soll­ten zu „Aus- und Auf­bruch-Stel­len“ wer­den: Aus­bruch aus Abschot­tung und Sprach­lo­sig­keit; Auf­bruch zu Zusam­men­halt trotz Unsi­cher­heit und Meinungsunterschieden.

(Anre­gun­gen auch aus: Axel Hacke: Über den Anstand in schwie­ri­gen Zei­ten und die Fra­ge, wie wir mit­ein­an­der umge­hen. 2017)

Foto: Peter H auf Pixabay

Vorheriger Beitrag
Was­ser — real und virtuell
Nächster Beitrag
Geo-Engi­nee­ring: Geni­al oder GAU?

© (Copy­right) 2010 — 2024 Zukunfts­rat Hamburg

  • Daten­schutz­er­klä­rung
  • Impres­sum
  • Kon­takt
  • Pri­vat­sphä­re-Ein­stel­lun­gen ändern
  • His­to­rie der Privatsphäre-Einstellungen
  • Ein­wil­li­gun­gen widerrufen