
In nur drei Wochen hat die Initiative NOlympia Hamburg 19.423 Unterschriften gesammelt – fast das Doppelte der erforderlichen 10.000. Damit ist sichergestellt, dass im offiziellen Informationsheft zum Olympia-Referendum am 31. Mai 2026 auch eine kritische zivilgesellschaftliche Stellungnahme zu Wort kommt. Der Zukunftsrat Hamburg gratuliert den Initiatoren zu diesem beeindruckenden Erfolg und dankt allen Unterstützer:innen, die bei Eis, Schnee und Regen auf Hamburgs Straßen für ausgewogene Information eingetreten sind.
Ein starkes Signal für Demokratie und Transparenz
Dass Bürger:innen in ihrer Freizeit und bei widrigsten Wetterbedingungen tausende Unterschriften sammeln müssen, um eine ausgewogene Darstellung in offiziellen Abstimmungsunterlagen zu erreichen, ist einerseits ein ermutigendes Zeichen für lebendige Zivilgesellschaft. Andererseits wirft es grundsätzliche Fragen auf: Warum wurde diese Transparenz nicht von Beginn an durch die Politik sichergestellt?
Gerade bei einer Entscheidung dieser Tragweite – mit erheblichen finanziellen und stadtentwicklungspolitischen Konsequenzen – sollte ausgewogene Information eine Selbstverständlichkeit sein. Stattdessen setzt die Stadt auf Kosten der Steuerzahlenden beträchtliche Mittel ein, um vorwiegend für Olympia zu werben. Dies steht in einem bemerkenswerten Kontrast zu den immer wieder betonten Ansprüchen an Bürger:innenbeteiligung und Transparenz.
Wie lange gilt ein Bürger:innenvotum?
Vor gerade einmal zehn Jahren, 2015, haben sich 51,6 % der Hamburger:innen in einem Referendum gegen eine Olympia-Bewerbung ausgesprochen. Dass der Senat nun – nur eine Dekade später – die gleiche Frage erneut stellt und dabei erhebliche Steuermittel für die Bewerbungskampagne einsetzt, wirft Fragen zum Umgang mit demokratischen Entscheidungen auf.
Wie lange sollte ein Bürger:innenvotum Bestand haben? Diese Praxis kostet nicht nur die Bürger:innen erhebliche finanzielle Mittel, sie wirft auch grundsätzliche Fragen zum Verhältnis zwischen Bürger:innenwillen und politischen Prioritäten auf.
Ein weiteres klares Signal – und eine Frage an den Senat
Die Tatsache, dass fast doppelt so viele Menschen unterschrieben haben wie notwendig, ist ein deutliches Signal: Es gibt in Hamburg einen erheblichen Bedarf an kritischer Auseinandersetzung mit dem Thema Olympia. Dies deckt sich mit aktuellen Umfragen, die mehrheitlich eine skeptische Haltung der Hamburger:innen zeigen.
Der Zukunftsrat Hamburg stellt daher die Frage an den Senat: Wäre dies nicht ein guter Zeitpunkt, die Bemühungen für eine erneute Bewerbung zu überdenken, bevor weitere Steuermittel eingesetzt werden? Mittel, die an anderer Stelle – etwa bei der dringend notwendigen Dekarbonisierung der Stadt – so viel sinnvoller investiert werden könnten?
Der Zukunftsrat wartet weiterhin auf Antworten
Der Zukunftsrat Hamburg hat sich bereits 2015 kritisch mit der damaligen Olympia-Bewerbung auseinandergesetzt und sich nach Prüfung verschiedener Nachhaltigkeitskriterien dagegen positioniert. Auch bei der aktuellen Bewerbung haben wir das Gespräch mit dem Senat gesucht und konkrete Fragen zu Nachhaltigkeitsaspekten an den Ersten Bürgermeister, die Zweite Bürgermeisterin und den Innensenator gerichtet.
Auf eine substantielle Antwort warten wir bis heute. Diese Antworten werden wir abwarten, bevor wir uns abschließend zur Frage “Olympia ja oder nein” positionieren.
Fazit : Zivilgesellschaft übernimmt, was Politik versäumt
Die erfolgreiche Unterschriftensammlung zeigt: Wenn Politik ihrer Informationspflicht nicht ausreichend nachkommt, übernimmt die Zivilgesellschaft. Das ist einerseits ermutigend und ein Zeichen für demokratisches Engagement. Andererseits sollte es in einer transparenten Demokratie nicht nötig sein, dass Bürger:innen bei winterlichen Temperaturen auf die Straße gehen müssen, um ausgewogene Information zu erkämpfen.
Demokratie lebt von Vertrauen – und Vertrauen entsteht durch Transparenz, durch ausgewogene Information und durch Respekt vor getroffenen Entscheidungen. Die 19.423 Unterschriften sind nicht nur ein Votum für kritische Perspektiven im Informationsheft. Sie sind auch eine Erinnerung an die Politik, ihre eigenen Ansprüche an Bürger:innenbeteiligung konsequent umzusetzen.
Wir gratulieren NOlympia Hamburg zu diesem Erfolg und danken allen, die sich für demokratische Transparenz eingesetzt haben – mit Ausdauer, Überzeugung und beeindruckendem zivilgesellschaftlichem Engagement.
