
Am 31. Mai 2026 entscheiden die Hamburger:innen in einem Referendum über eine Bewerbung der Stadt für die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Für eine solch weitreichende Entscheidung braucht es eine fundierte, ausgewogene Informationsgrundlage.
Wie werden die Bürger:innen informiert?
Im offiziellen Informationsheft zum Referendum erhält der Senat acht Seiten für seine Stellungnahme, weitere acht Seiten stehen der Bürgerschaft zu. Da die großen Fraktionen SPD, Grüne und CDU die Bewerbung befürworten, werden die Argumente für die Bewerbung den überwiegenden Teil der offiziellen Informationen ausmachen.
Um dies auszugleichen, sieht das Hamburger Volksabstimmungsgesetz (§ 25k VAbstG) eine weitere Möglichkeit vor: Eine zusätzliche Stellungnahme kann aufgenommen werden, wenn sie von mindestens 10.000 Wahlberechtigten unterstützt wird. Genau dies plant die Initiative NOlympia Hamburg. Vom 31. Januar bis zum 20. Februar 2026 sammelt sie Unterschriften, um eine kritische zivilgesellschaftliche Stellungnahme in die offiziellen Abstimmungsunterlagen zu bringen.
Warum ist das wichtig?
Bei dieser Unterschriftenaktion geht es im ersten Schritt nicht um die Frage “Ja oder Nein zu Olympia”, sondern darum, dass in der offiziellen Informationsbroschüre auch kritische Stimmen zu Wort kommen.
Gerade weil die Stadt Hamburg immer wieder betont, dass ihr Bürgerbeteiligung, Transparenz und Dialog wichtig sind, ist eine ausgewogene Information der Bürger:innen essentiell. Dies gilt umso mehr, als:
- vor zehn Jahren, 2015, bereits ein Referendum zu Olympia stattfand, bei dem sich 51,6 % gegen eine Bewerbung aussprachen
- es sich um eine Entscheidung mit erheblichen finanziellen und stadtentwicklungspolitischen Auswirkungen handelt
- die Stadt beträchtliche Mittel für die Bewerbungskampagne einsetzt
Der Zukunftsrat hätte es begrüßt, wenn die Stadt von sich aus – auch ohne den formalen Weg über 10.000 Unterschriften – zivilgesellschaftlichen Initiativen Raum für eine kritische Auseinandersetzung in den offiziellen Informationsmaterialien gegeben hätte. Dies entspräche dem oft betonten Anspruch an Bürgerbeteiligung und Transparenz.
Die Position des Zukunftsrats Hamburg
Der Zukunftsrat Hamburg hat sich bereits 2015 intensiv mit der damaligen Olympia-Bewerbung auseinandergesetzt. Nach Prüfung verschiedener Nachhaltigkeitskriterien ging der Zukunftsrat in einen kritischen Dialog mit dem Senat und sprach sich damals gegen die Bewerbung aus.
Auch bei der aktuellen Bewerbung hat der Zukunftsrat das Gespräch mit dem Senat gesucht. Da die federführende Behörde für Inneres und Sport unter Senator Andy Grote in Fragen der Nachhaltigkeit bislang wenig konkret werden konnte, hat der Zukunftsrat den Senat um eine Stellungnahme zu unterschiedlichen konkreten Nachhaltigkeitsaspekten gebeten.
Die Antworten wartet der Zukunftsrat ab, bevor er sich abschließend zur Frage “Olympia ja oder nein” positioniert.
Unabhängig von der inhaltlichen Bewertung: Transparenz als demokratisches Prinzip
Unabhängig davon, wie der Zukunftsrat die Nachhaltigkeitskriterien letztlich bewerten wird, ist aus demokratischer Sicht klar: Die Hamburger Bürger:innen haben einen Anspruch auf ausgewogene, neutrale Informationen bei ihrer Entscheidung.
Wenn Bürgerbeteiligung ernst genommen werden soll – und das sollte sie angesichts der hohen öffentlichen Investitionen und der Tragweite der Entscheidung –, dann ist es sinnvoll, dass verschiedene Perspektiven gleichberechtigt in den offiziellen Informationsmaterialien abgebildet werden.
Der Zukunftsrat Hamburg unterstützt daher das Anliegen, dass auch kritische zivilgesellschaftliche Stimmen in der offiziellen Informationsbroschüre zu Wort kommen. Wir ermutigen alle Hamburger:innen, die Wert auf eine ausgewogene demokratische Debatte legen, die Unterschriftensammlung von NOlympia zu unterstützen.
Eine fundierte demokratische Entscheidung setzt voraus, dass unterschiedliche Perspektiven gleichberechtigt dargestellt werden.
Informationen zur Unterschriftenaktion:
- Weitere Informationen und Sammelpunkte: nolympia-hamburg.de
- Zeitraum: Januar bis 20. Februar 2026
- Benötigte Unterschriften: 10.000 Wahlberechtigte
