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Crui­se Days Ham­burg: Wenn die Stadt die Kli­ma­kri­se feiert

Posted on 10 Sep. um 09:00 Uhr

Wäh­rend Kli­ma­for­scher vor den Fol­gen der 1,5‑Grad-Überschreitung war­nen und Ham­burg sei­ne Bürger:innen zum Ener­gie­spa­ren auf­ruft, lädt die Han­se­stadt vom 12. bis 14. Sep­tem­ber 2025 wie­der zu einer gigan­ti­schen Par­ty der Ver­schwen­dung ein: den Ham­burg Crui­se Days.

Das Para­dox am Hafenbecken

Es ist schon bemer­kens­wert: Da ruft die Bun­des­re­gie­rung zum Ener­gie­spa­ren auf, Ham­burg bewirbt sei­ne Kli­ma­zie­le und appel­liert an die Eigen­ver­ant­wor­tung der Bürger:innen — und gleich­zei­tig fei­ert die­sel­be Stadt drei Tage lang schwim­men­de Kli­ma­ka­ta­stro­phen als tou­ris­ti­sche Attrak­ti­on. Die Kreuz­fahrt­gi­gan­ten, die da majes­tä­tisch in die Elbe ein­lau­fen, sind schwim­men­de Städ­te des Über­flus­ses, deren öko­lo­gi­scher Fuß­ab­druck jeden kli­ma­be­wuss­ten Men­schen erschau­dern las­sen müsste.

Die Kli­ma­bi­lanz der Kreuzfahrtschifffahrt

Die Zah­len spre­chen eine deut­li­che Spra­che: Ein moder­nes Kreuz­fahrt­schiff stößt täg­lich so viel CO₂ aus wie vie­le tau­send Pkw. Eini­ge Quel­len spre­chen sogar von meh­re­ren Zehn­tau­send. Hin­zu kom­men erheb­li­che Men­gen an Stick­­stoff- und Schwe­fel­oxi­den, deren Kon­zen­tra­ti­on in Hafen­städ­ten die Luft­qua­li­tät mas­siv beein­träch­ti­gen kann.

Beson­ders kri­tik­wür­dig: Wäh­rend die Schif­fe im Hafen lie­gen, lau­fen bei vie­len die Die­sel­ge­ne­ra­to­ren wei­ter — trotz ver­füg­ba­rem Land­stro­m­an­schluss. Aktu­ell sind laut Hafen­be­hör­de nur drei von sie­ben Kreu­z­­fahrt-Lie­­ge­­plä­t­­zen in Ham­burg mit Land­strom aus­ge­stat­tet, und selbst die­se wer­den nach Anga­ben von Umwelt­ver­bän­den nicht kon­se­quent genutzt. Tech­ni­sche Inkom­pa­ti­bi­li­tä­ten wer­den häu­fig als Grund ange­führt für eine Bran­che, die Mil­li­ar­den in neue Mega­schif­fe inves­tiert, aber nach Ein­schät­zung von Kri­ti­kern bei der Umwelt­tech­nik zurück­hal­ten­der agiert.

Doku­men­tier­te Umwelt- und Arbeitsrechtsprobleme

Ver­schie­de­ne Ree­de­rei­en, die auch bei den Crui­se Days häu­fi­ger prä­sent sind, stan­den in den ver­gan­ge­nen Jah­ren wegen Umwelt- und Arbeits­rechts­ver­stö­ßen in der Kritik:

AIDA Crui­ses gehört zur Car­ni­val Cor­po­ra­ti­on, einem Kon­zern, der nach öffent­lich doku­men­tier­ten Gerichts­ver­fah­ren seit 2000 mehr­fach hohe Mil­lio­nen­stra­fen wegen nach­ge­wie­se­ner Mee­res­ver­schmut­zung zah­len muss­te. Dazu gehör­ten u. a. die ille­ga­le Ent­sor­gung von ölhal­ti­gen Abwäs­sern sowie die Ein­lei­tung von Plas­tik­ab­fäl­len ins Meer.

MSC Crui­ses sah sich nach Medi­en­be­rich­ten mehr­fach mit Pro­ble­men kon­fron­tiert, weil angeb­lich Umwelt­auf­la­gen nicht ein­ge­hal­ten wur­den. Zusätz­lich wur­den Kor­rup­ti­ons­vor­wür­fe bei Hafen­ver­trä­gen erhoben.

Nor­we­gi­an Crui­se Line zahl­te nach Gerichts­do­ku­men­ten 2021 eine hal­be Mil­li­on Dol­lar Stra­fe für ille­ga­le Abwas­ser­ent­sor­gung vor Hawaii und steht nach Anga­ben von Umwelt­ver­bän­den wegen mehr­fa­cher Ver­stö­ße gegen Scru­b­­ber-Bestim­­mun­­gen in der Kritik.

Hapag-Lloyd Crui­ses führt Expe­di­ti­ons­kreuz­fahr­ten in die sen­si­ble Ark­tis durch — aus­ge­rech­net in Zei­ten des Klimawandels.

Doch nicht nur die Umwelt lei­det unter der Kreuz­fahrt­in­dus­trie – auch die Men­schen. Die COVID-19-Pan­­de­­mie ver­deut­lich­te struk­tu­rel­le Pro­ble­me der Kreuz­fahrt­in­dus­trie: Tau­sen­de Crew-Mit­­glie­­der waren mona­te­lang auf den Schif­fen gestran­det, oft ohne regu­lä­ren Lohn und ohne Per­spek­ti­ve auf Heim­kehr. Medi­en berich­te­ten von dra­ma­ti­schen Situa­tio­nen, dar­un­ter auch Ver­zweif­lungs­ta­ten auf Schif­fen ver­schie­de­ner Ree­de­rei­en. Bei Car­ni­val dau­er­te es nach Medi­en­be­rich­ten teils bis zu fünf Mona­te, bis die Crew wie­der in ihre Hei­mat­län­der zurück­keh­ren durften.

Nach Recher­chen von Arbeits­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen war das kein Aus­nah­me­zu­stand, son­dern lässt sys­te­ma­ti­sche Aus­beu­tung ver­mu­ten: 10–16 Stun­den täg­lich, sie­ben Tage die Woche, sechs bis zehn Mona­te am Stück arbei­ten vie­le Crew-Mit­­glie­­der – häu­fig aus den Phil­ip­pi­nen – für 400–600 Dol­lar im Monat, wie eini­ge Medi­en berich­ten. Das ent­spricht einem Stun­den­lohn von 50 Cent bis einem Euro. Durch das Sys­tem der Bil­lig­flag­gen sind Gewerk­schafts­rech­te prak­tisch aus­ge­he­belt, getrenn­te Crew-Berei­che ver­deut­li­chen die strik­te Hier­ar­chie an Bord.

Nor­we­gi­an Crui­se Line wur­de nach Gerichts­un­ter­la­gen 2019 wegen Lohn­dieb­stahls ver­klagt, Roy­al Carib­be­an 2021 wegen unbe­zahl­ter Über­stun­den. Bei MSC sind nach Medi­en­be­rich­ten 16-Stun­­den-Schich­­ten ohne freie Tage doku­men­tiert. Meh­re­re gro­ße Ree­de­rei­en, die auch bei den Crui­se Days prä­sent sind, ste­hen damit in der Kri­tik, ihre Pro­fi­te auf Kos­ten von Men­schen­rech­ten und fai­ren Arbeits­be­din­gun­gen zu erzielen.

So zeigt sich: Die Kreuz­fahrt­in­dus­trie ist weder öko­lo­gisch noch sozi­al nach­hal­tig. Sie belas­tet nicht nur das Kli­ma, son­dern gefähr­det auch die Wür­de und die Rech­te der Beschäf­tig­ten. Und Ham­burg fei­ert die­se Industrie?

Ham­burg als “grü­ner” Hafen?

Ham­burg bewirbt sich ger­ne als umwelt­freund­li­cher Kreuz­fahrt­ha­fen. Umwelt­ver­bän­de sehen dies kri­tisch: Nach einer zitier­ten EU-Stu­­die lag Ham­burg 2023 angeb­lich auf Platz 6 der am meis­ten durch Kreuz­fahrt­schif­fe ver­schmutz­ten Hafen­städ­te Euro­pas. Beson­ders frag­wür­dig: Am neu­en Ter­mi­nal im West­field Über­see­quar­tier ist nach Anga­ben der Hafen­be­hör­de bis Jah­res­en­de 2025 noch kein Land­strom ver­füg­bar. Die Die­sel­ab­ga­se der dort lie­gen­den Schif­fe zie­hen über die Ein­kaufs­pro­me­na­de zur Mall — was Umwelt­ver­bän­de als Gesund­heits­ri­si­ko für Fla­neu­re und Tou­ris­ten einstufen.

Kri­tik gibt es auch an der Luft­qua­li­täts­mes­sung: Die weni­gen Luft­­mess-Sta­­tio­­nen ste­hen nach Ein­schät­zung des NABU Ham­burg weit weg von den Ter­mi­nals, “über­schat­tet von Bäu­men und abge­schirmt vor Abga­sen”, kri­ti­siert der NABU Ham­burg. “Um die Ham­bur­ger bes­ser zu schüt­zen, müss­te man näher an den Ter­mi­nals messen.”

Mes­sun­gen von Umwelt­ver­bän­den wäh­rend der Crui­se Days zei­gen nach deren Anga­ben regel­mä­ßig erhöh­te Schad­stoff­wer­te in der Hafen­Ci­ty und in St. Pau­li. Die Fein­staub­be­las­tung steigt mess­bar an, Stick­oxi­de belas­ten nach die­sen Mes­sun­gen die Atem­luft der Anwohner:innen.

Umwelt­ver­bän­de üben schar­fe Kritik

Die gro­ßen Umwelt­ver­bän­de sind sich in ihrer Kri­tik einig: Die Kreuz­fahrt­bran­che ver­ur­sacht erheb­li­che öko­lo­gi­sche Pro­ble­me, und Ham­burg unter­stützt mit den Crui­se Days nach ihrer Ansicht eine pro­ble­ma­ti­sche Indus­trie. Der NABU, der seit Jah­ren ein Kreu­z­­fahrt-Ran­king durch­führt, kommt zu einem kri­ti­schen Urteil: Nur 2 von über 300 bewer­te­ten Schif­fen erhiel­ten mehr als 2 von 5 mög­li­chen Ster­nen. “Ham­burg insze­niert mit den Crui­se Days ein frag­wür­di­ges Spek­ta­kel und nennt es Tou­ris­mus”, kri­ti­siert NABU-Bun­­des­­ge­­schäfts­­­füh­­rer Dr. Leif Miller.

Die Deut­sche Umwelt­hil­fe lie­fert die Bele­ge: Ihre Mes­sun­gen wäh­rend der Crui­se Days 2022 zeig­ten NO2-Wer­­te von 180 μg/m³ — das 4,5‑fache des EU-Gren­z­­wer­­tes. Die Fein­­staub-Belas­­tung war drei­mal höher als von der WHO emp­foh­len. “Wäh­rend Ham­burg sei­ne Bür­ger zum Ener­gie­spa­ren auf­ruft, lädt die Stadt die schmut­zigs­ten Schif­fe der Welt zur Par­ty ein. Das ist Dop­pel­mo­ral in Rein­kul­tur”, so DUH-Geschäfts­­­füh­­rer Jür­gen Resch.

Auch der BUND Ham­burg geht hart ins Gericht: “Die Crui­se Days sind das Gegen­teil von dem, was Ham­burg für den Kli­ma­schutz braucht: Ein Fest der Ver­schwen­dung auf Kos­ten der Umwelt und der Gesund­heit der Ham­bur­ger.” Die Umwelt­ver­bän­de for­dern ein­hel­lig: Weg von den Crui­se Days, hin zu einem Hafen­fest der nach­hal­ti­gen Mobilität.

Die unsicht­ba­re Kli­ma­schuld: Flugtourismus

Was in der offi­zi­el­len Kli­ma­bi­lanz der Crui­se Days häu­fig fehlt, sind die An- und Abrei­see­mis­sio­nen. Schät­zun­gen gehen davon aus, dass etwa 80% der Kreuz­fahrt­pas­sa­gie­re per Flug­zeug anrei­sen — oft von ande­ren Kon­ti­nen­ten. Pro Kreuz­fahrt ent­ste­hen im Durch­schnitt 2–3 Flü­ge pro Per­son. Die gesam­te Kli­ma­bi­lanz einer Kreuz­fahrt ist daher noch pro­ble­ma­ti­scher als die ohne­hin schon hohen Schiff­se­mis­sio­nen ver­mu­ten lassen.

Der Ansturm auf sen­si­ble Ökosysteme

Wäh­rend die tra­di­tio­nel­len Rou­ten im Mit­tel­meer und in der Kari­bik stark fre­quen­tiert sind, expan­diert die Kreuz­fahrt­in­dus­trie ver­stärkt in öko­lo­gisch sen­si­ble Natur­ge­bie­te. Beson­ders umstrit­ten: der Boom des “Last Chan­ce Tou­rism” — Mar­ke­ting mit dem Slo­gan “Sehen Sie das ark­ti­sche Eis, bevor es schmilzt”. 2023 fuh­ren nach Bran­chen­an­ga­ben über 100 Kreuz­fahrt­schif­fe durch ark­ti­sche Gewäs­ser und hin­ter­lie­ßen nach wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen Ruß­par­ti­kel auf dem wei­ßen Eis, was die Schmel­ze zusätz­lich beschleunigt.

Par­al­lel wächst auch der Flus­s­­kreu­z­­fahrt-Sek­­tor: Die Anzahl der Fluss­kreuz­fahrt­schif­fe in Euro­pa ist seit 2019 nach Bran­chen­da­ten um über 25% gestie­gen. Rhein, Donau und Elbe wer­den zu stark befah­re­nen Rou­ten — mit ähn­li­chen Umwelt­pro­ble­men wie ihre gro­ßen Geschwis­ter auf den Weltmeeren.

Wenn Städ­te NEIN sagen

Immer mehr Desti­na­tio­nen haben genug: Vene­dig ver­bie­tet gro­ße Kreuz­fahrt­schif­fe seit 2021 kom­plett. Bar­ce­lo­na, Dubrov­nik und San­to­ri­ni haben erheb­li­che Beschrän­kun­gen ein­ge­führt. Ams­ter­dam plant ab 2025 Ein­schrän­kun­gen für Kreuz­fahrt­schif­fe im Stadt­zen­trum. Die­se Städ­te haben nach eige­ner Aus­sa­ge erkannt: Der kurz­fris­ti­ge tou­ris­ti­sche Gewinn steht nach ihrer Ein­schät­zung nicht im Ver­hält­nis zu den lang­fris­ti­gen Aus­wir­kun­gen auf Umwelt und Lebensqualität.

Ham­burg hin­ge­gen lädt wei­ter zur Par­ty ein. Wäh­rend ande­re Hafen­städ­te Ver­ant­wor­tung über­neh­men, hält Ham­burg an einem Geschäfts­mo­dell fest, das mit Blick auf einen gesell­schaft­li­chen Wan­del zu mehr Nach­hal­tig­keit kei­ne Zukunft hat.

Grü­ne Ver­spre­chen, fos­si­le Realität

Die Kreuz­fahrt­bran­che ver­spricht “Kli­ma­neu­tra­li­tät” bis 2050 — ein Zeit­punkt, der aus Sicht von Kli­ma­wis­sen­schaft­lern für die Kli­ma­zie­le mög­li­cher­wei­se zu spät ist. Bis dahin plant die Indus­trie nach Bran­chen­an­ga­ben den Bau von 30 neu­en Mega­schif­fen, die über­wie­gend auf fos­si­le Brenn­stof­fe set­zen. LNG wird als “Über­gangs­tech­no­lo­gie” bewor­ben, wobei Kri­ti­ker das damit ver­bun­de­ne Methan­pro­blem beto­nen. Was­­ser­­stoff-Antrie­­be blei­ben der­zeit Zukunfts­mu­sik für eine Bran­che, die nach Ein­schät­zung von Beob­ach­tern lie­ber in Luxus­aus­stat­tung als in Kli­ma­tech­nik investiert.

“The­re are no jobs on a dead planet”

Die ZEIT bringt die Debat­te auf den Punkt: “Deren Für­spre­cher sagen, sie brin­ge Wohl­stand nach Ham­burg und siche­re Jobs. Kreuz­fahrt­schif­fe sind Dreck­schleu­dern, die Kli­ma und Gesund­heit scha­den und Städ­te mit Tou­ris­ten über­schwem­men, sagen die Geg­ner. Wer hat recht?”

Die Ant­wort ist ein­fach: Bei­de haben recht. Und genau das ist das Problem.

Rich­tig ist: Die Kreuz­fahrt­bran­che bringt Ham­burg kurz­fris­tig Wohl­stand. 1,67 Mil­lio­nen Euro pro Schiff, 4.500 Arbeits­plät­ze, 500 Mil­lio­nen Euro Wert­schöp­fung jähr­lich — das sind aus wirt­schaft­li­cher Sicht beein­dru­cken­de Zah­len. Rich­tig ist auch: Vie­le Men­schen leben direkt oder indi­rekt von die­ser Bran­che, von der Musi­ke­rin auf der AIDA bis zum Kof­fer­trä­ger am Terminal.

Aber die­se wirt­schaft­li­chen Erfol­ge ste­hen nicht in Kon­kur­renz zur Kli­ma­kri­tik — sie ver­stär­ken das Pro­blem. Denn Ham­burg setzt wis­sent­lich auf eine Bran­che mit umstrit­te­ner Zukunfts­fä­hig­keit. Eine Bran­che, die unse­re Lebens­grund­la­gen zer­stört und damit lang­fris­tig auch ihre eige­nen wirt­schaft­li­chen Grund­la­gen untergräbt.

Der ame­ri­ka­ni­sche Umwelt­ak­ti­vist David Brower brach­te es auf den Punkt: “The­re are no jobs on a dead pla­net.” Ham­burg kann nicht gleich­zei­tig Kli­ma­schutz pre­di­gen und eine der kli­ma­schäd­lichs­ten Bran­chen der Welt hofie­ren. Die Stadt muss eine Ent­schei­dung tref­fen: Setzt sie wei­ter auf die Ein­nah­men einer umstrit­te­nen Indus­trie — oder inves­tiert sie in zukunfts­fä­hi­ge Wirtschaftsmodelle?

Die Crui­se Days sind das Sym­bol für die­se fal­sche Prio­ri­tä­ten­set­zung. Sie unter­stüt­zen eine Bran­che, die die Anfor­de­run­gen an eine nach­hal­ti­ge Zukunft abseh­bar nicht bewäl­ti­gen kann. Wäh­rend ande­re Hafen­städ­te bereits Ein­schrän­kun­gen pla­nen, ver­folgt Ham­burg wei­ter­hin ein Geschäfts­mo­dell der Ver­gan­gen­heit. Das ist nicht nur aus kli­ma­po­li­ti­scher Sicht frag­wür­dig, son­dern auch wirt­schafts­po­li­tisch kurz­sich­tig gedacht.

Die ver­hee­ren­de Botschaft

Doch das eigent­li­che Pro­blem liegt noch tie­fer: Was für eine Bot­schaft sen­det Ham­burg mit den Crui­se Days an sei­ne Bürger:innen? Wenn die Stadt offi­zi­ell eine Par­ty der Gigan­to­ma­nie und Ver­schwen­dung fei­ert, ist es für die Haus­be­sit­ze­rin in Eidel­stedt schwer nach­voll­zieh­bar, war­um sie sich für eine Wär­me­pum­pe ver­schul­den soll. “So schlimm kann es mit dem Kli­ma dann ja nicht sein”, ist die logi­sche Schlussfolgerung.

Die­se Sym­bol­po­li­tik kon­ter­ka­riert jeden Appell zum pri­va­ten Kli­ma­schutz. Sie unter­gräbt die Trans­for­ma­ti­ons­be­reit­schaft der Gesell­schaft und sen­det das fata­le Signal: Kli­ma­schutz ist etwas für die klei­nen Leu­te, wäh­rend die Rei­chen und Mäch­ti­gen wei­ter Par­ty machen.

Die Crui­se Days trans­por­tie­ren eine Bot­schaft der öko­lo­gi­schen Ver­ant­wor­tungs­lo­sig­keit, die ver­hee­ren­de Aus­wir­kun­gen auf das Unrechts­be­wusst­sein der Bevöl­ke­rung hat. Wenn Ham­burg schwim­men­de Kli­ma­kil­ler als Tou­ris­ten­at­trak­ti­on fei­ert, zer­stört die Stadt das Fun­da­ment für eine erfolg­rei­che Kli­ma­trans­for­ma­ti­on: die gesell­schaft­li­che Akzep­tanz und Bereit­schaft zum Wandel.

Ham­burg muss Ver­ant­wor­tung übernehmen

Ham­burg steht vor einer Wahl: Ent­we­der ist es der Stadt ernst mit ihren Kli­ma­zie­len — dann müs­sen auch die Crui­se Days auf den Prüf­stand. Oder sie bekennt sich offen dazu, dass Tou­ris­mus und Wirt­schafts­in­ter­es­sen wich­ti­ger sind als Kli­ma­schutz. Bei­des gleich­zei­tig geht nicht.

Eine ver­ant­wor­tungs­vol­le Stadt­po­li­tik wür­de die Crui­se Days in ihrer jet­zi­gen Form been­den und statt­des­sen zu einem Hafen­fest der nach­hal­ti­gen Mobi­li­tät machen. Solan­ge Ham­burg aber schwim­men­de Kli­ma­kil­ler fei­ert, trägt die Stadt zur Kli­ma­ka­ta­stro­phe bei – und unter­gräbt ihre eige­nen Klimaschutzbemühungen.

Ande­re Städ­te haben es vor­ge­macht: Mut zur Ver­än­de­rung zahlt sich aus — nicht nur öko­lo­gisch, son­dern auch gesell­schaft­lich. Ham­burg könn­te Vor­rei­ter wer­den statt Nach­züg­ler. Die Ent­schei­dung liegt bei der Poli­tik — und bei den Bürger:innen, die die­se Poli­tik wählen.

Die Trans­for­ma­ti­on zu einer kli­ma­neu­tra­len Gesell­schaft braucht Glaub­wür­dig­keit. Mit den Crui­se Days zer­stört Ham­burg genau die­se Glaub­wür­dig­keit — und ent­fernt damit sei­ne Bürger:innen wie­der ein Stück mehr von einer drin­gend nöti­gen Transformation.

Kon­takt: Frank Schier
Lin­ke­dIn

Die­ser Blog­bei­trag spie­geln aus­schließ­lich die per­sön­li­che Mei­nung des Autors wider und reprä­sen­tie­ren nicht die offi­zi­el­le Posi­ti­on des Zukunfts­ra­tes Ham­burg. Der Zukunfts­rat Ham­burg setzt sich jedoch aktiv für den Aus­tausch über ver­schie­de­ne Per­spek­ti­ven und The­men im Bereich Nach­hal­tig­keit ein.

Über den Autor

Frank Schier, 58, gebo­ren in Mainz, ist Vater zwei­er erwach­se­ner Kin­der. Nach einer Aus­bil­dung zum Hei­zungs­bau­er fand er auto­di­dak­tisch sei­nen Weg in die Welt des Wer­be­films. Vor 25 Jah­ren grün­de­te eine eige­ne Mul­­ti­­me­­dia-Agen­­tur, die sich gemein­sam mit sei­nem spä­te­ren Geschäfts­part­ner zu einer Full-Ser­­vice-Agen­­tur SCHIER­RIE­GER ent­wi­ckel­te. Seit über 13 Jah­ren liegt deren Spe­zia­li­sie­rung auf Nach­hal­tig­keits­kom­mu­ni­ka­ti­on. Seit 2017 ist SCHIER­RIE­GER Mit­glied des Zukunfts­rats Ham­burg, und seit 2018 beklei­det Frank Schier die Posi­ti­on des Spre­chers des Zukunfts­rats. In die­ser Rol­le wid­met er sich The­men wie Kli­ma­kom­mu­ni­ka­ti­on, Kreis­lauf­wirt­schaft, Ener­gie, Stadt­ent­wick­lung und Trans­for­ma­ti­on. Dar­über hin­aus ver­tritt er den Zukunfts­rat im Nach­hal­tig­keits­fo­rum Ham­burg seit 2017.

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