Die Wär­me­wen­de in Ham­burg: (Wie) Schaf­fen wir das? Über die Kom­mu­na­le Wärmeplanung

Die Wär­me­wen­de ist in Ham­burg wie in den meis­ten Kom­mu­nen eine zen­tra­le Her­aus­for­de­rung auf dem Weg zur Kli­ma­neu­tra­li­tät. Ent­spre­chend ver­langt die natio­na­le Gesetz­ge­bung die Erstel­lung einer Kom­mu­na­len Wär­me­pla­nung (KWP), für Ham­burg als Groß­stadt bis 2026. Der Ham­bur­ger Zukunfts­ent­scheid am 12. Okto­ber führt schon jetzt dazu, dass das The­ma für sehr vie­le Akteu­re in den Fokus rückt – es wird kon­kret! Vor die­sem Hin­ter­grund traf die Ver­an­stal­tung „Die Wär­me­wen­de in Ham­burg: (Wie) Schaf­fen wir das?“ am 20. Novem­ber in der Hoch­schu­le für Ange­wand­te Wis­sen­schaf­ten (HAW), orga­ni­siert vom Com­pe­tence Cen­ter für Erneu­er­ba­re Ener­gien und Ener­gie­ef­fi­zi­enz (CC4E) der HAW, dem Zen­trum für Ener­gie, Bau­en, Archi­tek­tur und Umwelt (ZEBAU) sowie dem Zukunfts­rat Ham­burg auf gro­ße Resonanz.

Frank Schier, Spre­cher des Zukunfts­ra­tes, beton­te in sei­ner Begrü­ßung die Stär­ke der Koope­ra­ti­on: „Die Wär­me­wen­de ist zen­tral für Ham­burgs Zukunft – denn sie bringt öko­lo­gi­sche, öko­no­mi­sche und sozia­le Her­aus­for­de­run­gen mit sich.” Des­we­gen sei die Zusam­men­ar­beit zwi­schen zivil­ge­sell­schaft­li­chen Per­spek­ti­ven, Pra­xis­er­fah­rung und Wis­sen­schaft mit der Ver­wal­tung zen­tral für einen ganz­heit­li­chen Blick auf die Transformation.

Dr. Hans Schä­fers, Pro­fes­sor für intel­li­gen­te Ener­gie­sys­te­me und Ener­gie­ef­fi­zi­enz an der HAW, stell­te in sei­ner Key­note eine pro­vo­kan­te The­se auf: Der ent­schei­den­de Akteur für eine sozi­al gerech­te Wär­me­wen­de fehlt noch – ein kom­mu­na­les oder öffen­t­­lich-pri­­va­­tes Wär­me­lie­fer­mo­dell. Wär­me müss­te wie ande­re Grund­be­dar­fe als Teil der kom­mu­na­len Daseins­vor­sor­ge ver­stan­den wer­den, um sozia­len Ängs­ten etwas ent­ge­gen­zu­set­zen. Wäh­rend Fern­wär­me per­spek­ti­visch ca. die Hälf­te der Ham­bur­ger Haus­hal­te ver­sor­gen soll, ist die Instal­la­ti­on von Wär­me­pum­pen bis­lang ein indi­vi­du­ell zu lösen­des (Investitions)Problem. Inspi­riert von däni­schen Model­len könn­te ein Wär­me­lie­fer­con­trac­ting via Wär­me­pum­pen als Public-Pri­­va­­te-Par­t­­ner­­ship (PPP) die Lücke schließen.

Dipl.-Ing. Archi­tekt Peter‑M. Frie­mert, Geschäfts­füh­rer der ZEBAU und Koor­di­na­tor der Ham­bur­ger Ener­gie­lot­sen, gab einen Über­blick über den Stand der Kom­mu­na­len Wär­me­pla­nung in Deutsch­land. Als beson­de­re Her­aus­for­de­run­gen nann­te er die finan­zi­el­le Unter­stüt­zung der Kom­mu­nen durch den Bund sowie die büro­kra­tie­ar­me Umset­zung und Pla­nungs­ver­ein­fa­chun­gen. Anhand von Best-Prac­­ti­ce-Bei­­spie­­len (Kiel, Bre­men, Mann­heim) zeig­te er Lösungs­an­sät­ze auf und ver­deut­lich­te, dass sich eine gut orga­ni­sier­te Wär­me­wen­de ange­sichts stei­gen­der Gas­prei­se auch finan­zi­ell auszahlt.

Den aktu­el­len Stand der Ham­bur­ger Wär­me­pla­nung prä­sen­tier­te im Anschluss Ann-Kath­rin Kne­mey­er von der Behör­de für Umwelt, Kli­ma, Ener­gie und Agrar­wirt­schaft (BUKEA). Ham­burg befin­det sich aktu­ell in der Pha­se zwi­schen Bestands-/Po­­ten­­zi­al­a­na­­ly­­se und Ziel­s­ze­na­rio-Ent­­wick­­lung. Der Ent­wurf des Wär­me­plans soll nach umfas­sen­der Betei­li­gung Ende März 2026 vor­lie­gen, der Beschluss erfolgt plan­mä­ßig am 30. Juni 2026. Sie ver­wies auf das neue Wär­me­por­tal, das vie­len Nutzer*innen Trans­pa­renz schaf­fen kann.

Noch kon­kre­ter wur­de dann Sophie Brau­er von der Behör­de für Stadt­ent­wick­lung und Woh­nen (BSW), die die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kam­pa­gne „Jedes Haus kann Kli­ma­schutz” und die dazu­ge­hö­ri­gen Pilot­pro­jek­te vor­stell­te. Dabei ver­wies sie nach dem Hin­weis auf drei lau­fen­den Pilot­maß­nah­men (z.B. Ener­gie­be­rich­te) auf drei Säu­len der Unter­stüt­zung: 1) Infor­ma­ti­on und Akti­vie­rung: Kam­pa­gne zur Wär­me­pla­nung, 2) Bera­tung: Kos­ten­freie, unab­hän­gi­ge Bera­tung durch Ham­bur­ger Ener­gie­lot­sen und 3) För­de­rung: IFB Ham­burg ergänzt Bun­des­för­de­rung, insb. loka­le Quartiersrojekte.

In der abschlie­ßen­den Podi­ums­dis­kus­si­on, die der Lei­ter des Zen­trums für Energie‑, Was­ser und Umwelt­t­tech­nik (ZEWU) Dr. Kai Hüne­mör­der ziel­füh­rend mode­rier­te, wur­den Fra­gen aus der inter­ak­ti­ven Publi­kums­be­fra­gung über Men­ti­me­ter dis­ku­tiert. Die ange­spro­che­nen Aspek­te sozia­le Aus­ge­stal­tung der Wär­me­wen­de, tech­ni­sche Umset­zung, Kom­mu­ni­ka­ti­on, Gover­nan­ce, Betei­li­gung in der Wärme“politik“ sowie nach­bar­schaft­li­che Ansät­ze ver­deut­lich­ten den gro­ßen Dis­­kus­­si­ons- und Infor­ma­ti­ons­be­darf. Und sie unter­stütz­ten das Anlie­gen der Ver­an­stal­ter, die sozia­le Wär­me­wen­de u.a. in kon­kre­ti­sie­ren­den Ver­an­stal­tun­gen wei­ter zu beglei­ten und zu unterstützen.

Aus­blick: Am 29. Janu­ar 2026 fin­det das Ham­bur­ger Wär­me­pum­pen-Forum als gemein­sa­me Ver­an­stal­tung von BSW und BUKEA statt (14−18 Uhr, Ham­mer­brook­lyn, Stadt­deich 2–4).

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